"Manchmal kann ich es kaum selbst glauben"Carla Kimmig auf Lisa
(Protokoll eines Erfolgs, aufgeschrieben von Lena Kroenlein)

Carla Kimmig wird dieses Jahr im deutschen Nachwuchskader der Paralympics im Reiten trainieren. Sie erzählt von ihrer Begeisterung für das Reiten, von ihrem Team, das sie seit Jahren begleitet, und über die "unglaubliche Chance", die sich durch die Paralympics für sie ergibt.

Ich bin in meinem Leben an einem Punkt angekommen, von dem ich mir niemals hätte träumen lassen, ihn zu erreichen. Vor kurzem wurde ich in den Nachwuchskader der Paralympics in der Disziplin Reiten aufgenommen. Das ist ein Erfolg, den man nicht alleine meistern kann. Dass ich dieses Ziel erreicht habe, verdanke ich in erster Linie meiner Trainerin Christa Hinrichsen.

Mit vier Jahren fing ich mit Hippotherapie an, eine Therapieform, die sich irgendwann immer mehr ausgebaut hat. Vor allem auch durch die Selbständigkeit, die meine Eltern gefördert haben. Sie haben mich viel selber ausprobieren und machen lassen. Klar erfährt man auch immer wieder Rückschläge, aber man lernt auch wieder aufzustehen. Auf diese Weise hat sich meine Unabhängigkeit immer mehr ausgebaut und somit konnte ich auch meinen Führerschein erlangen. Irgendwann bin ich dann selbst zum Stall gefahren, anstatt mich fahren zu lassen. Solche Dinge ... .

Natürlich muss ich mich im Großen und Ganzen mit meiner Situation selbst arrangieren. Aber wer du bist, verdankst du auch den Menschen, die dich auf deinem Weg begleitet haben. Mich haben viele Menschen bis hierhin begleitet meine ganze Familie, Freunde und vor allem meine langjährige Trainerin Christa Hinrichsen zum Beispiel. Sie sind diejenigen, denen ich nichts erklären muss.

Und dann sind das beim Reiten auch die Pferde. Sie sind wie gute Freunde, mit denen man durch dick und dünn gehen kann. Natürlich muss ich erst einmal ihr Vertrauen gewinnen. Dafür bekomme ich dann aber auch unglaublich viel zurück. Diese Tiere können meine Gefühlswelt auf eine einzigartige Weise wiederspiegeln. Wenn ich auf dem Pferd sitze, vergesse ich mein Handicap, das ja letztendlich auch durch das Tier kompensiert wird. Die typischen Sportarten wie Fußball spielen oder Leichtathletik sind nicht gemacht für mich.

Dazu kommt, dass die Pferde keine Fragen stellen. Sie nehmen mich einfach, wie ich bin. Ein Gefühl, das in der Gesellschaft nicht unbedingt gegeben ist. Im Kontext dieser ganzen Vorgeschichte klingt es für mich immer noch unglaublich, jetzt am Leistungssport teilnehmen zu können, da ich das Reiten ursprünglich als Therapie angefangen habe.

Im Laufe der Zeit hat sich Eines nach den Anderen entwickelt. Irgendwann hat sich ein kleines Team gebildet, mit dem ich auf den verschiedensten Turnieren war. In diesem Team hat jeder seine Aufgabe, seinen Job zu erledigen, wodurch wir uns auch sehr gut ergänzen und eine Menge Spaß an der Sache haben. Nur durch diesen Zusammenhalt schaffen wir es, unsere Ziele zu erreichen.

Dazu gehört auch, dass mich meine Trainerin ab und an beim Reiten filmt, damit ich die Chance bekomme, mögliche Fehler reflektiert zu korrigieren. Eines dieser Videos, auf dem ich zu sehen bin, schickte sie 2011 an den Bundestrainer der Paralympics, Bernhard Fliegl.

Als ich als Zuschauer mit meiner Trainerin letztes Frühjahr auf dem Maimarktturnier in Mannheim war, haben wir zufällig den Bundestrainer getroffen und ihn bei der Gelegenheit nach dem Video gefragt, da wir noch keine Rückmeldung erhalten hatten. Widererwartend war ihm mein Name ein Begriff. Mehr noch: ich könne diesen Herbst, also Mitte November 2012, zur Sichtung des Nachwuchskaders der Paralympics in den Olympiastützpunkt nach Warendorf kommen.

Zwar habe ich mich sehr gefreut, bin aber dennoch mit recht wenig Erwartung angereist. Jeder Ritt ist ein Erfahrungsritt, also dachte ich: "Schauen wir mal, was passiert." Was dann allerdings tatsächlich passierte, hätte ich nie für möglich gehalten: Ich wurde für 2013 ins Trainingslager des C-Kaders (Nachwuchskader) nach Warendorf eingeladen! Zunächst konnte ich nicht glauben, welche Tür mir dadurch geöffnet wurde. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ein derart gigantisches Ziel durch den Zusammenhalt des Teams, des Trainings, aber auch durch meine eigene Stärke erreicht zu haben.

Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben, was da dieses Jahr an Möglichkeiten und Abenteuern auf mich zukommen wird das ist ganz sicher kein Spaziergang. Trotzdem wird mein oberstes Gebot bleiben, was ich immer im Reiten gesehen habe: mich weiter zu entwickeln in meinem reiterlichen Können, sowie den Spaß an der Sache und wer weiß, vielleicht starte ich tatsächlich eines Tages bei den Paralympics für Deutschland ... .